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Noch ist sie da, die Lotta

Tina.s Hundeblog

Wir freuen uns, wenn sie alt werden, unsere Hunde. Sie werden ja auch viel älter als früher. Frauchen und Herrchen kümmern sich einfach mehr: Man teilt sich inzwischen die Herz- und Blutdrucktabletten, bringt zur Physiotherapie, turnt Fitnessvideos mit Hund nach und lässt Gold in arthritische Gelenke implantieren.

Dass die Vierbeiner nicht unendlich alt werden, daran habe ich wieder gedacht, als ich im Hundeladen ein Werbekärtchen fand, auf der eine Hunde-Sterbebegleiterin ihre Dienste anbot.

Total entgeistert zeigte ich die Karte meinem Mann: Das gibt's doch nicht! Was soll denn das jetzt wieder? 

 

Sie geht mir aber nicht aus dem Sinn, die Sterbebegleiterin. Schließlich haben wir hier eine Kandidatin herumtackeln auf oft wackeligen Beinchen: Die Lotta ist jetzt 16 1/2 und nicht mehr richtig standfest. Sie ist auch schon ganz schön dement. Oft nervt sie uns, weil sie stundenlang Futter sucht - ihre Obsession. Die Nase funktioniert nämlich noch. Tack tack tack machen Lottas Krallen auf denjenigen Bereichen unseres Holzbo-dens, die wir nicht mit waschbaren Baumwollteppichen abgedeckt haben. Auf Teppich kann unser altes Hündchen das Gleichgewicht besser halten. Waschbar ist deshalb wichtig, weil sie manchmal - Gott sei Dank selten - nicht mehr weiß, dass man zum Pippi-Machen in den Garten gehen soll. Aber dieses Tack tack tack ... zum Verrücktwerden!

Da macht man sich schon Gedanken: Wie geht das jetzt weiter?

 

2015 haben wir unseren Fiet verabschiedet. Das war ganz besonders in der letzten Zeit schrecklich. Er schien innerlich zu verrotten, so roch er auf jeden Fall. In der Tierklinik, die wir ständig besuchten, fanden die wechselnden Ärztinnen nichts. Sie hatten nur professionelles Mitleid für uns und unseren Hund sowie aufmunternde Worte, die hohl und falsch klangen. Sie halfen überhaupt nicht und wir waren über Wochen verzweifelt. Ich fühle mich noch heute schuldig, denn ich denke, ich hätte Fiet diese letzte Zeit ersparen sollen. Aber was macht man, wenn Ärzten mein Bauchgefühl völlig egal ist?

Wie soll man auf Euthanasie des Herzenshundes bestehen, wenn man der Medizin doch noch den benefit of the doubt geben will - in der Hoffnung, dass sich doch noch einmal etwas zum Besseren wendet? Und wie soll ich diese letzte Spritze fordern - sieht man mich dann nicht als jemanden, der seinen Hund möglichst schnell loswerden möchte? 

 

Wie sehr habe ich mir Unterstützung gewünscht in dieser Zeit. Jemanden zum Reden, jemanden, den ich anrufen kann, jemand, der kommt und sieht, was ich sehe und vor was ich mich so fürchte.

Der mich an die Hand genommen hätte und den Abschied machbar und nicht so unüberwindbar hätte fühlen lassen.

Dann also die Hunde-Sterbebegleiterin?

Na ja, sie kann den Prozess, der sich da mit aller Gewalt anbahnt, für uns übersetzen und dabei helfen, die nötigen Entscheidungen zu treffen. Sie objektiviert, das heißt sie sieht besser als wir, wie die Lage wirklich ist. Sie ist nicht genauso hilflos wie ich, mein Mann oder meine Kinder: Denn wir haben immer die gemeinsame Vergangenheit mit unserem Vierbeiner im Kopf und können die Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit Hund schwer aufgeben. Die Sterbebegleiterin kann uns die Kraft geben loszulassen.

 

Viele von uns können in dieser Zeit alle Hilfe gebrauchen.

Tina. 

 

Ich bin hundeerfahren und hundebelesen, aber keine Hundefachfrau. Der Blog gibt meine eigene Meinung wieder und erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Selina (Freitag, 11 Mai 2018 22:53)

    Schöne Gedanken. Meine Hündin ist inzwischen auch so eine Kandidatin, und anders als bei Menschen ist das bei Hunden ja wirklich eine aktive Entscheidung, das kann ganz schön schwierig sein. Dir und deiner Lotte auf jeden Fall das Beste!

  • #2

    Tina vom Blog (Samstag, 26 Mai 2018 23:05)

    Hallo Selina,

    ja schwierig. Es gibt wohl Bewegungen für das "natürliche Sterben" - aber ich finde es ja eigentlich gut, dass Hunde nicht so lange leiden müssen wie Menschen.
    Lotta ist inzwischen noch einmal gealtert: Ganz spitz um die Nase ist sie geworden.
    Viele Grüße
    Tina.