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Das Hunde-Elefanten-Gedächtnis

Fietjes Panik vor Feuerwerk begann mit einem unbedachten Teenager, einem Freund meines Sohnes: Beim Gassigehen zündete dieser einen Böller an, den er in der Hosentasche hatte, und warf ihn aufs Feld, wo er in Fietjes Nähe hochging.

Jedes Jahr wurde Fietjes Angst um Neujahr herum größer und dass es bei uns in der Straße eine Menge Kinder gab, für die Sylvester einer der Höhepunkte des Jahres war, trug maßgeblich  dazu bei. Ganz besonders taten sich drei Brüder hervor, die ein paar Häuser weiter wohnten: Am 31. ging die Zündelei schon  immer vormittags los. Jahr zu Jahr steigerten sich die Jungs von Knallerbsen bis hin zu Kanonenschlägen. 

Fünf oder sechs oder sieben Sylvester vergingen und mit ihr die Zündelei vor Mitternacht, aber Fietjes Angst am Jahresende war nicht mehr einzudämmen.  

 

Unser Hund war sicherlich schon 10 oder 11 Jahre alt, als meine Tochter mal wieder mit ihm unterwegs war. Fietje war ein Hund, der ohne Leine auskam: Er tat Hasen auf dem Feld nichts zuleide, rannte keinem Fahrradfahrer oder Jogger hinterher und ging jedem Hundestreit aus dem Weg.

An diesem Tag sah er den ältesten und nun schon fast erwachsenen der drei Brüder, Maik*,  auf der anderen Straßenseite, bellte einmal, rannte zu ihm und biss ihn in den Arm. Dann drehte er um und lief nach Hause. Bis meine Tochter verstand, was los war, war alles vorbei. Es floss kein Blut, aber die Haut war angeratscht und man sah die Abdrücke einiger Hundezähne. Sicherlich gab es auch ein richtig doll blaues Hämatom. Ein Arzt wurde nicht involviert.

Da wir gute Nachbarn waren und sind, wurden wir nicht angezeigt, Maik bekam Schmerzensgeld von uns und war nun immer sehr vorsichtig, wenn er unseren Hund sah. Fietje würdigte ihn bei Begegnungen niemals mehr eines einzigen Blickes.

 

Lange war ich in Erklärungsnöten, warum unser so ausgesprochen lieber Hund einen solchen Aussetzer hatte. Irgendwann ist bei mir der Groschen gefallen: Fietje hatte Maiks Rolle bei der ganzen Knallerei niemals vergessen. An diesem Tag hat er ihn gemaßregelt, so ganz nebenbei und unaufgeregt. Er hätte ihn schwer verletzen können, aber das hat er nicht getan.

Ich habe mit Maik später mal über alles geredet und es war ein gutes Gespräch. Und es ist gut, dass ich verstehe, wie es zu dem Vorfall gekommen ist: Die Welt macht mehr Sinn, wenn man Dinge einordnen kann. So gibt es einfach keinen Zweifel für mich: Auch Hunde haben ein Elefantengedächtnis.

 

Bis zum nächsten Mal.

 

Tina. vom Blog

 

*Name wurde geändert

 

Ich bin hundeerfahren und hundebelesen, aber keine Hundefachfrau. Der Blog gibt meine eigene Meinung wieder und erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Meine eigene Meinung ist nicht unbedingt konform mit der Vereinsmeinung.   

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