Ist Aufgeben die Alternative?

Tina.s Hundeblog

Ich war auf der Suche nach irgendetwas im Internet - total vergessen, was es war. Und wie es so oft passiert, landet man auf Seiten, die gar nichts mit dem zu tun haben, was man eigentlich gesucht hat und die man dann aber doch quer liest.

Ein Blog war's, den ich dann fand. Eine Sabine, die schrieb, dass sie nun nie mehr einen Hund aus dem Tierschutz aufnehmen werde. Sie habe das jetzt oft genug getan und sie wäre auch immer glücklich mit den Hunden gewesen, obwohl sie nie leicht gewesen wären, die Hunde.

Ihr Argument: Tierschutz sei sinnlos. Ein Fass ohne Boden.

Immer wieder kommen neue Tiere nach, die versorgt werden sollten: Weil sie sonst krepieren (ich benutze absichtlich dieses hässliche Wort, weil es das ist, was die Hunde erwartet, wenn sie vergiftet, überfahren, gefoltert und misshandelt werden oder einfach verhungern). Hunde, für die ein neues Zuhause gesucht wird, weil es keinen Platz für sie in dem Land gibt, in dem sie geboren worden sind.

Sabine sagt auch, dass nicht die Rettung einzelner Hunde im Vordergrund stehen dürfe, sondern die Aufklärung und Erziehung der Bevölkerung, damit sich das Denken ändere. Abgesehen davon, dass wir das wahrscheinlich alle finden und dass wir uns diesem Ziel in gefühlten winzigen Schritten - über die Leichen von zehntausenden von Hunden - nähern, kann ich Sabines Frage nach der Sinnhaftigkeit des Ganzen verstehen. Ich glaube sogar, jeder Tierschützer kann Sabine  verstehen, denn die meisten von uns stellen sich diese Frage immer mal wieder. Viele von ihnen geben irgendwann auf und machen Platz für eine neue Generation, die ihre Arbeit weiterführt.

 

Aber hat man nicht in vielen Berufen das Gefühl, täglich vom selben Murmeltier gegrüßt zu werden? Ich bin Lehrerin, und jedes Jahr ziehen irgendwie dieselben Jugendlichen mit denselben Problemen durch meine Klassen. Nur Einzelnen kann ich wirklich das geben, was sie brauchen. Ein Arzt spricht wahrscheinlich jede Woche mit einem Menschen, der sterben wird, ohne dass er ihn heilen kann. Krankenschwestern pflegen ihr Berufsleben lang Menschen, die sich mehr und mehr ähneln  und austauschbar in ihren Schmerzen werden. Entwicklungshelfer, Psychologen, Kindergärtner, Drogenbeauftragte, Sozialarbeiter, Musiklehrer, Beratungskräfte, Polizisten, Staatsanwälte, Richter und ...  - für sie alle gilt dasselbe wie für uns Tierschützer: Die Probleme bleiben dieselben oder sie verändern sich bestenfalls unmerklich. Große Siege sind rar. Wenigstens bekommt man in all diesen Berufen Geld für seine Arbeit - als Tierschützer zahlt man eher noch drauf.  Aber im Prinzip kämpfen wir "Helfer" immer mit dem Gefühl der Sinnlosigkeit des eigenen Tuns, wennwir das große Bild anschauen. Wir arbeiten gegen Windmühlen: Stillstand, Kultur, Umstände, Genetik, Korruption, Ignoranz, Faulheit, Angst, Machtgier, Gewohnheit und Politik sind unsere Begleiter und Gegner 

Irgendwann aufgeben? Vielleicht. Aber nicht, weil wir keine Hoffnung, sondern weil wir keine Kraft mehr haben. Und das ist völlig legitim. 

Wahr ist: In allen diesen Berufen verzweifelt man, wenn man nicht mehr den Einzelnen sehen kann, sondern nur noch die Masse. Der eine Mensch, der gesund wird, sein Abitur besteht, keine Drogen mehr nimmt, nicht verhungern muss. Genau wie es im Tierschutz um den einen Hund geht, für den sich die Welt zum Guten verändert.

 

Bis zum nächsten Mal.

 

Tina.

 

PS: Ich weiß, es gibt Aber in meiner Argumentation: Punkte, die man diskutieren kann. Die können aber nur Thema eines anderen Blogartikels sein.

 

 

Den Ursprungsbeitrag findet man hier.

 

Ich bin hundeerfahren und hundebelesen, aber keine Hundefachfrau. Der Blog gibt meine eigene Meinung wieder und erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Meine eigene Meinung ist nicht unbedingt konform mit der Vereinsmeinung.    

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Kommentare: 5
  • #1

    Peter Kahr (Freitag, 29 Juni 2018 23:56)

    Alleine in Spanien werden jährlich vorsichtigen Schätzungen zufolge 100.000 Hunde und 200.000 Katzen in den Perreras teilweise bestialisch umgebracht.
    Und wenn man das weiss und ein klein wenig tun kann, soll man es nicht tun?
    Peter Kahr
    www.TirolerTierEngel.com

  • #2

    Tina vom Blog (Sonntag, 01 Juli 2018)

    Es kostet Kraft, aber noch habe ich sie ...

  • #3

    Christoph (Montag, 02 Juli 2018 11:26)

    Ich hatte vor einiger Zeit den Artikel von Sabine auch gelesen und einen entsprechenden Kommentar hinterlassen. Ein paar Dinge die sie schreibt stimmen einfach nicht, ein paar andere sind meiner Meinung nach illusorisches Wunschdenken. Unbestritten ist Hilfe zur Selbsthilfe immer am sinnvollsten und diese Hilfe zur Selbsthilfe passiert auch im Rahmen der Möglichkeiten. Das Problem in diesen Ländern sind nicht die örtlichen Tierschützer und Tierschutzorganisationen die die Hunde vermitteln sondern die Einstellung der Menschen zum Tier. Jedes Jahr zum Ende der Jagdsaison werden z. B. in Spanien reihenweise Podencos und Galgos von den Jägern aussortiert, in einer Perrera abgegeben, einfach ausgesetzt oder auf andere Art und Weise die ich hier nicht näher beschreiben möchte, entsorgt. Da Kastrationen Geld kosten, viele Hundehalter diese Kosten aber nicht übernehmen können oder wollen, kommt es mit schöner Regelmäßigkeit dazu, dass es unerwünschten Nachwuchs gibt. Was macht man damit? Richtig, entsorgen, also ab in die Perrera, direkt erschlagen oder ertränken oder einfach aussetzen. Der unkontrollierten Vermehrung sind Tür und Tor geöffnet. Na klar, hier kommen Kastrationsprogramme ins Spiel. Jeder der seinen Hund aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr will setzt ihn aus und das Kastrationsprogramm irgendeiner Tierschutzorganisation wird sich schon um die Vermeidung unkontrollierter Vermehrung kümmern. Jetzt möchte ich den Menschen sehen der ernsthaft behauptet, adoptiert keine Hunde aus dem Ausland und das Problem mit den „Straßenhunden“ erledigt sich. Solange sich die Mentalität der Menschen und ihre Einstellung zu Tieren nicht ändert, ändert sich auch das Problem „Straßenhund“ nicht. Diese notwendige Mentalitätsänderung dauert nicht nur Generationen, sie kostet auch Geld welches den Tierschützern nicht zur Verfügung steht. Hier ist die Politik gefordert.
    Auch ist es schlicht und ergreifend falsch zu behauten, der überwiegende Teil der Hunde aus dem Auslandstierschutz wäre nicht familientauglich. Wahr ist, viele dieser Hunde haben Misshandlungen erlebt , waren teilweise auf sich alleine gestellt um ihr Überleben zu sichern (mussten auch eigene Entscheidungen treffen, bei vielen deutschen Hundetrainern gar nicht beliebt) und kennen nichts vom Leben in einer deutschen Familie. Die Folge davon, sie benötigen Zeit um zu lernen und zu vertrauen und sie benötigen einen Halter mit viel Geduld der evtl. auch bereit ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Verschweigen darf man nicht, dass es auch immer wieder Hunde gibt, die Verletzungen oder auch eine Krankheit haben (seriöse Organisationen weise darauf hin). Damit entsprechen diese Hund dann nicht den in sie gestellten Erwartungen. Sie werden ihren neuen Haltern kaum am ersten Tag voller Dankbarkeit in die Arme springen und sind oft auch „unbequemer“ als der Hund vom Nachbarn. Um es kurz zu sagen, sie sind werde spülmaschinenfest noch bügelfrei, was einige Menschen leider nicht verstehen können (zu diesem Thema habe ich den Artikel „Bloß kein Hund aus dem Auslandstierschutz“ für den Blog fiffibene geschrieben).
    Wir haben 2013 selbst einen Hund aus Spanien adoptiert und ganz bewusst hatte wir uns für einen Angsthund entschieden. Wir haben durch diesen Hund sehr viel gelernt, u. a. auch den Unterschied zwischen natürlichem und angezüchtetem Verhalten.
    Sorry wenn mein Kommentar so lang geworden ist. Herzliche Grüße vom Rhein.
    Christoph

  • #4

    Tina vom Blog (Freitag, 13 Juli 2018 23:40)

    Danke Christoph, für Deinen Beitrag. Du hast ganz viele wichtige Dinge gesagt. Ich möchte aber noch eins hinzufügen: Wer denkt, dass Hunde aus Deutschland, auch reinrassige, immer die einfache Lösung sind, der darf gerne mein Bankkonto anschauen, das durch zwei reinrassige Dackel, die schon eine Menge Trainerstunden verschlungen haben, ganz schön dezimiert sind. Mit meinen bisher 11 Pflegehunden musste ich noch zu keiner Trainer*in - außer für telefonische Beratungen.

  • #5

    Christoph (Donnerstag, 26 Juli 2018 15:42)

    Da kann ich mitfühlen, unser Telmo hatte vor allem Angst als er zu uns gekommen war und wir hatten ein halbes Jahr mit zwei Trainerinnen an seiner Panik vor der Leine gearbeitet. Einige Zeit später stellte sich dann heraus, dass er operiert werden muss. Laut Tierarzt muss er schon als Welpe einen heftigen Schlag oder Tritt bekommen haben. Der dabei verletzte Oberschenkelkopf hatte im Laufe der Zeit die Hüftpfanne "ausgeschmirgelt. Das die Verletzung überhaupt erkannt worden war, war Zufall da Telmo keine Schmerzen gezeigt hatte. Trotzdem, auch wenn wir vor der Adoption von allen Problemen, Problemchen und den damit verbundenen Kosten gewusst hätten, wir hätten ihn trotzdem geholt. Telmo war, ist und bleibt es uns wert. Herzliche Grüße vom Rhein.
    Christoph