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Wenn der Hund einem ans Herz wächst ...

Tina.s Hundeblog

Seit Anfang Mai haben wir eine neue Pflegehündin, die Odyssee. Wir nennen sie Dessie.

Ich habe sie auf einer Tierschutz-Seite entdeckt: Sie hatte ihre Welpen im Winter in einem Erdloch vergraben, um sie zu schützen. Nur regnete es so stark, dass die Kleinen fast ertrunken wären. Die Tierschützer haben sie dann alle mitgenommen.

 

Ich fand die Dessie von Anfang an toll. Als Pflegehund kam sie zu uns durch eine Verkettung von Umständen. Karma?

 

Ich habe sie vom Flughafen abgeholt. Als sie aus ihrer Box herauskam, ist mir schlecht geworden: Wie sollte das gehen? Ein Herdenschutzhund? Das hatte mir niemand gesagt. Zierlich sah sie auf den Fotos aus, 20kg sollte sie wiegen, nicht so groß sein. War das derselbe Hund? Mir kam er doppelt so groß und schwer vor. Von Herdis hatte ich keine Ahnung. 

Ich sah unser Haus vor mir: Wirklich kleine Räume, in denen schon wir und vier Hunde lebten. Aber es half nichts, jetzt war sie da.

 

In den ersten Tagen war ich oft verzweifelt. Fressen war schwierig. Dessie fing an zu patrouillieren und zu alarmieren - die Nachbarn rebellierten. Sie biss Lotta in den Kopf und die herzkranke Seniorin musste genäht werden. Die Dackel hatten Angst vor ihr: Nicht, dass sie böse ist, aber so stark und dabei so tolpatschig. Juno lernte fliegen.

Die Spaziergänge waren grausam: Meine Schultern taten sooo weh von Dessies energischem Ziehen. Es ging auch nur noch geradeaus, nix mehr mit Abbiegen. Wenn sie nicht mehr laufen wollte (Richtung, Tempo, sonstwas) schmiss sie sich auf den Boden und streckte ihre Beine in die Luft. Ein paar Mal hat sie sich mit einem gewaltigen Sprung losgerissen, einmal dabei eine Frau mit Fahrrad umgeworfen. Die Frau hätte uns anzeigen können, hat sie aber nicht - Gott sei Dank.

 

Was tun? Ich bin in eine Herdenschutzgruppe eingetreten, habe mir ein Buch gekauft und viel telefoniert. Ich habe dazu gelernt in den letzten sechs Wochen: Herdis sind kaum bestechlich. Sie machen ihr Ding. Sich auf den Boden zu werfen: völlig normal. Dass ich Dessie ernst und wichtig nehmen muss: Wenn sie mich alarmiert, muss ich nachschauen. Dann ist sie stolz und beruhigt und es wird immer seltener, dass sie bellt. Dass man beim Abendspaziergang durchaus mal fünf Minuten auf dem Boden sitzen darf, während Dessie den Horizont am Feld abscannt: Das muss ein Herdi machen dürfen. Dass Dessie nicht ohne Grund bellt (klar: Es sind ihre und nicht meine Gründe). Dass die anderen Hunde ruhiger geworden sind, weil ja Dessie wacht. Sie ist so souverän und gelassen - das habe ich noch nie erlebt. Dass Spazierengehen mit Bauchgurt sehr entlastend ist. Dass Dessie uns mag und uns das auch manchmal zeigt; Meist steht sie ja über solchen Gefühlsduseleien. Aber manchmal merken wir es halt doch.

 

Und wir merken auch, dass wir nicht mehr wissen, ob ein Leben ohne Dessie noch das richtige für uns wäre. Sie wächst uns ans und ums und ins Herz, gerade weil sie so ganz anders ist als alle anderen Hunde, die wir jemals gehabt haben.

 

Oje, wie das wohl ausgeht?

 

Bis zum nächsten Mal.

 

Tina.

 

PS: Das Herz ist übrigens von Heike Beckmann genäht. Man findet sie auf facebook.

 

PPS: Dessies Vermittlungsseiten sind hier (intern) und hier (extern).

 

Ich bin hundeerfahren und hundebelesen, aber keine Hundefachfrau. Der Blog gibt meine eigene Meinung wieder und erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Meine eigene Meinung ist nicht unbedingt konform mit der Vereinsmeinung.   

 

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