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Lass doch mal dem Hund die Ruhe!

Jeder Hundebesitzer kennt Tage, an denen man mit einem Herzen, schwer von Glück, ins Bett geht und dem Himmel dankt für seinen vierbeinigen Begleiter.

Fast jeder Hundebesitzer kennt aber auch die Stunden oder Tage, in denen er sein Los verflucht und am liebsten das nächste Tierheim anfahren würde - mit dem Gefährten im Kofferraum. 

Und manchmal geht dann die Suche nach dem nächsten Tiertrainer los, oder mit dem Hilferuf im sozialen Netzwerk, wo gefragt wird, wie man dies oder das am schnellsten ab- und wegtrainiert. Bei Hunden aus dem Tierschutz passiert es oft genau dann - nach Monaten, in denen die Vermittlerin nichts oder nur Gutes gehört hat - dass sie nun angerufen und aufgefordert wird, das lästige Hundeverhalten abzustellen. 

 

In einer Zeit, in der alles trainierbar, reparierbar und reklamierbar zu sein scheint, erwarten wir von Hund, dass wir für unseren Einsatz mit seinem Wohlverhalten belohnt werden. Dutzende von Hundeschulen, Trainern, Youtube-Videos und Ratschlag-Facebook-Gruppen tragen zu diesem Bild bei: "In zehn Schritten zum leinenführigen Hund" "Antijagdtraining garantiert erfolgreich" oder eine Sechserkarte "Hundebegegnung leicht gemacht", dann soll es laufen. Tut es aber in den wenigsten Fällen.

Kann es auch gar nicht: Beim Laufen an der Leine, wenn Hund doch viel lieber woanders hin will, bei Hundebegegnungen oder beim Jagen werden haufenweise Hormone ausgeschüttet. Urinstinkte werden wach und möchten ausgelebt werden.

Das können wir nicht mal so auf die Schnelle abstellen. Tricktraining in den eigenen vier Wänden - das funktioniert. Aber alles, was draußen abläuft und dazu noch mit Hunde-Interaktion oder gar mit Beutetieren zu tun hat, muss durch hochkomplexe und langwierige Lernarbeit umgelenkt werden. Und das bedeutet jahrelanges konsequentes, nicht nur periodisches Training. Die wenigsten Menschen haben dazu die Ausdauer und den Willen. Und manche Hunde sind auch einfach gemütlicher im Handling.

 

Und damit komme ich auf meinen eigentlichen Punkt: Hunde sind Lebewesen und sie haben gute und schlechte Eigenschaften. Was der eine ganz leicht lernt, dafür braucht der andere Jahre. Mancher lern es nie und manchem wird es schon bei der Geburt in die Wurfkiste gelegt.

 

Ich plädiere jetzt einfach mal dafür, dass man nicht nur die guten Seiten des Hundes klasse findet, sondern sich auch mit den schwierigeren irgendwann zumindest arrangiert. Spätestens dann, wenn man von sich sagen kann, dass man bei der Erziehung wirklich sein Bestes gegeben hat. Dann, wenn man merkt: Hund ist einfach so: Er mag keine anderen Hunde. Er hasst es, Auto zu fahren. Ich werde ihn nie ableinen können. Er pinkelt immer wieder in den Garten an die Rose. Er bellt den Postmann an. Er hat Hamster zum Fressen gern.

 

So ist es eben. In den seltensten Fällen werden wir den perfekten Hund haben, genauso wenig, wie wir den perfekten Ehepartner oder die perfekten Kinder haben. Wir müssen uns darauf einstellen, auch wenn es oft verdammt unbequem ist und wenn wir deswegen die Gartenrose in der Biomülltonne begraben müssen.

 

Ich stelle mir vor, dass Juno, wenn er sprechen könnte, mal einen ordentlichen Streit mit mir anfangen würde, wenn ich das nächste Mal von ihm verlange, dass er das Treffen auf den schwarzen Bordercollie nicht wie ein Irrer kommentiert. Er fährt einfach rasend schnell hoch und kommt nur langsam wieder runter. Ich übe mich seit geraumer Zeit in Gleichmut und denke, ist doch egal, wenn er diesen Hund hasst. Damit geht es mir besser.

Versuchen wir, dankbarer dafür zu sein, dass unsere Hunde nicht mit uns streiten und nehmen wir sie doch ein wenig mehr so, wie sie eben sind: Ohne sie immer reparieren, trainieren oder reklamieren zu wollen. Sie tun das mit uns ja schließlich auch nicht.

 

Bis zum nächsten Mal.

 

Tina.

 

Achtung: Wenn es gefährlich für uns oder andere wird, muss natürlich dringend (wieder) Hilfe geholt werden.

 

Ich bin hundeerfahren und hundebelesen, aber keine Hundefachfrau. Der Blog gibt meine eigene Meinung wieder und erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Meine eigene Meinung ist nicht unbedingt konform mit der Vereinsmeinung.  

Pfote sucht Glück: Liebevolle Vermittlung von Hunden aus dem rumänischen Tierschutz

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Kommentare: 1
  • #1

    Doris Kreimer (Mittwoch, 01 August 2018 07:38)

    Super geschrieben und ich hoffe das es viele Lesen !!!!! Jedes Lebewesen ist ein Unikat mit positiven und negativen Eigenschaften. Glg