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Millan sagt: Eure Hunde brauchen Bewegung!

Tina.s Hundblog

 

Ich war vor kurzem für zwei Wochen in den USA. Die Staaten sind ein bisschen meine zweite Heimat - ich bin schon sehr oft dort herumgereist und liebe die Landschaften, die Straßen und die Menschen. Bei dieser Reise habe ich einfach nur bei einer Freundin in einer ganz normalen Nachbarschaft gewohnt.

Im Leben ändert sich ja immer mal wieder die Perspektive und so habe ich zum ersten Mal bewusst gesehen, wie ein amerikanisches Hundeleben so aussehen kann: Ich habe viele Hunde gesehen. Große, kleine, alte, dicke, dünne, ruhige, nervöse. Ich habe keinen einzigen freilaufenden Hund gesehen, weder in der wirklich schönen Nachbarschaft, noch am Strand, noch in den Stateparks. Ich sah morgens und abends immerhin einige Frauen und Männer mit Hund und extravaganten Kotbeutel-haltern die Straßen ablaufen, aber kaum einem Hund wurde Schnüffelzeit zugestanden.

In vielen amerikanischen Nachbarschaften gibt es keine Zäune und deshalb auch keine Hunde im Garten (es gibt allerdings eingegrabene Elektrozäune, bei deren Übertreten der Hund jedes Mal einen Schlag erhält: So lernt er die Grenzen des Grundstücks kennen. Und es gibt anderswo auch Hinterhöfe). Einmal sah ich immerhin einen am Haus angeleinten Hund, der so wenigstens die Sonne genießen konnte. Auch in den Parks, in denen ich war, gab es trotz Hundeerlaubnis kaum einen Hund. Dafür gab es im Zoogeschäft Hundetoiletten mit Einlagepads oder mit Rasensaat zu kaufen: So muss man niemals mehr mit dem Hund rausgehen. Eine verrückte Welt - für mich als Deutsche ist eine der schönsten Sachen am Hunde-Haben, dass ich immer mit ihnen raus muss! Ich habe schon so viel Schönes in der Natur gesehen und erlebt, wenn ich unterwegs war: Das möchte ich nicht missen.

 

Ich musste an Cesar Millan denken: Für den kontrovers diskutierten amerikanischen Hundetrainer steht Bewegung mit dem Hund ganz oben auf der Liste für eine gute Hund-Mensch-Beziehung, noch vor der Disziplin und der Zuneigung. In seinen Sendungen gehen die Menschen am Ende oft das erste Mal mit ihrem Hund spazieren, zwar unsicher und nur ihre Straße entlang, aber immerhin. Und das einfach, weil er es ihnen sagt. Wie schön für die amerikanischen Hunde: Es gibt endlich jemanden, der überall verkündet: Geht mit Euren Hunden raus - sie brauchen das! Ihn selbst sieht man oft medienwirksam auf seinen Skatern, gezogen vom Hunderudel.

 

Schade, dass sich Millan mit seinen aversiven (negative Reize hervorrufenden) Disziplinarmaßnahmen viele Feinde macht und auch sein Dominanzmodell verhaltensbiologisch gesehen nicht mehr haltbar ist. Und sicher gibt es bestimmt nicht wenige Idioten, die das mit der Bewegung überhören und gleich zur Disziplinierung des Hundes übergehen: Elektroschockhalsbänder, sehr dünne Retrieverleinen und  Stachelhalsbänder sind tierschutzrelevant. Dass Millans dahingehende Methoden durch seine Bekanntheit sozusagen "hausfein" gemacht worden sind, ist eine schlimme Sache. Aber man denke nicht, dass Deutschland ein Land ist, in dem nur positiv bestärkt wird: Leinenruck, Sprühflasche und Trainingsdisks sind Trainingsutensilien, die hier gerade sehr in, aber auch als aversiv einzuordnen sind. Sie sind aber nicht tierschutzrelevant nach dem Tierschutzgesetz.

 

Trotz dieser Kehrseite der Medaille finde ich es in Anbetracht dessen, was ich auf meiner Reise nicht gesehen habe (freilaufende Hunde), super, dass jemand mit Millans Bekanntheitsgrad sagt: Behandelt Eure Hunde artgerecht, sie brauchen Bewegung! Ich hoffe, viele Amerikaner hören genau diesen Teil - und lieben ihre Hunde zu sehr, um seine disziplinarischen Methoden nachzumachen.

 

Und obwohl Deutschland nicht nur das Land der Dichter und Denker ist, sondern auch das Land der Spaziergänger, sehe ich häufig, dass Hunde zwar ein schickes Geschirr anhaben, mit dem sie aber nur an die nächste Straßenlaterne geführt werden. Diesen Hunden ist ihr Geschirr völlig egal; sie möchten gerne ihre vier Beine zum Laufen benutzen und nicht nur das eine zum Pinkeln hochstrecken dürfen.

 

Bis zum nächsten Mal.

 

Tina.

 

 

 Ich bin hundeerfahren und hundebelesen, aber keine Hundefachfrau. Der Blog gibt meine eigene Meinung wieder und erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Dieser Artikel gibt die Meinung der Autorin wieder und ist nicht unbedingt konform mit der Vereinsmeinung. 

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