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Time to Eat the Dog

Tina.s Hundeblog

 

Jahrtausende fraßen Hunde das, was Menschen nicht essen wollten. Altes Brot, abgenagte Knochen, Gemüsereste, Weizenpampe, Schimmelobst: Reste, die niemand essen wollte. Das ging lange so. Außer einem dekadenten König hätte niemand für einen Hund ein Tier schlachten lassen - im Gegenteil, wenn der Hunger groß genug war, aß man auch mal den Hund.

Dann kam 1935 Chappi und die Hundeernährung fing an, sich zu ändern.

Und heute, 2018, ist das Thema Viel Fleisch. Der Hund sei schließlich ein Wolf, wie uns die Fachverkäuferin sowie die Namen der heutigen Hundefutter weismachen wollen: Wolfsblut, Wolf of Wilderness, Taste of the Wild, Fleischeslust, Natur plus, Woolfland, und da muss natürlicherweise viel Fleisch her. 60%, 70%, 80% oder gar 100%.

Der Werbe-Abenteuer-Wolf, der am wilden Fluss in Alaska immer noch sein Reh reisst und mit Haut und Haar frisst, verkauft uns diese Fleischgeschichte, weil sein Erfinder mich glauben machen möchte, dass er und mein Vierbeiner, der mit mir unter der Sofadecke kuschelt, eigentlich ein und derselbe ist: Meiner ist sozusagen der Wolf im Schafspelz.

 

Der Hunde-Verdauungstrakt ist,  je nach Forschungslage, seit 135.000 bis 18.000 Jahren auf Reste-Ernährung eingestellt - so lange ist es her, dass sich der Hund zunehmend dem Menschen angeschlossen hat. Heute ist nun das, was seit Beginn der Domestikation des Hundes (Zusammenschlusses mit Menschen) gut genug für ihn war, schlecht.

Hundefleisch soll heute Premiumqualität haben, d.h. es könnte (abgesehen von den Lebensmittelvorschriften) auch vom Menschen gegessen werden. Das ist die Humanisierung des Hundefutters. Damit wurde es vom Nebenprodukt des menschlichen Fleischkonsums zum Hauptprodukt: Für den Bedarf der Tiernahrungsindustrie werden heutzutage weltweit Millionen von Tieren ZUSÄTZLICH geboren, aufgezogen und geschlachtet. Um diese vielen Nutztiere zur Schlachtreife zu bringen, werden wiederum Millionen von Quadratkilometern Land benötigt, um das Viehfutter herzustellen. Viiiiel Wasser wird bei der Aufzucht verbraucht, viele Medikamente werden eingesetzt und Berge von Verpackungen produziert. 

Ein Hund verbrauche eine ähnliche Energie pro Jahr wie der Bau eines kleinen SUV, mit einer Fahrleistung von 10.000km/Jahr, sagt eine große Studie. Der ökologische Fussabdruck des Hundes ist somit riesig geworden.  

 

Neu ist auch, dass wir Menschen es uns leisten können, so viel Fleisch zu essen. Viele von uns bemühen sich inzwischen, das Rad der Zeit zurück zu drehen und weniger Fleisch zu essen. Mancher wegen der Gesundheit: Fleischkonsum begünstigt viele Krankheiten wie Herzkrankheiten, Rheuma, Krebs und Diabetes. Oder man mag's nicht. Oder die Ethik ist wichtig: Ich z.B. bin Vegetarier. Wie auch mein Bruder, mein Mann, einer meiner Neffen und meine beiden Töchter. Gemeinsam haben wir sechs Hunde. Das hebt sich also wohl auf und wir sind so umweltschädigend wie sechs fleischessende Menschen ohne Hunde. Ohne Hunde könnten wir also sechs kleine SUV haben plus die vier Autos, die wir sowieso haben.

Mit zehn solcher Autos würden wir uns natürlich wie Umweltschweine fühlen. 

 

Erst jetzt fange ich an, die Problematik zu sehen und zu verstehen. Das Schreiben darüber hat dabei geholfen.

Natürlich behalte ich meine vier Hunde. Sie sind ein großer Teil meines Lebens. Aber ist schon verrückt: Auf fb poste ich Bilder von jämmerlich-nach-Mama-weinenden-Lämmchen und meine Hunde bekommen Lammfleisch mit Cranberries und Pastinaken. Da mache ich doch was falsch.

 

Wie ich aus der Nummer rauskomme? Wohl nicht, so lange ich Hunde habe. Aber ich werde mir mehr Mühe geben: Mehr nachdenken, was ich füttere und wie viel davon, und Schlachtabfälle nicht mehr ganz so menschlich eklig finden. Den Hype um das ganze Möglichst-Viel-Fleisch mache ich eh nicht mit. Schließlich ist der Hund schon längst kein wölfischer Carnivore mehr, wie uns gerne eingeredet wird, sondern ein funktioneller Allesfresser - sonst hätte er nicht überleben können. Das sagt nicht nur mein Verstand, sondern auch mein Lieblingsblogschreiber Tierarzt Ralph Rückert. Für meine Hunde ist die allwöchentliche Pizzakruste ein kulinarischer Höhepunkt, genau wie das leckere vegetarische Rühreifrühstück.

 

Und meine Blog-Überschrift? Abgekupfert von Brenda Vale, die in ihrem kontroversen Buch Time to Eat the Dog Ideen für ein nachhaltiges Leben vorstellt. 

 

Bis zum nächsten Mal.

Tina.

 

Ich bin hundeerfahren und hundebelesen, aber keine Hundefachfrau. Der Blog gibt meine eigene Meinung wieder und erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Martina Plum (Samstag, 07 April 2018 20:44)

    Guter Artikel und manches habe ich auch nicht so gesehen...� und der Citroen C3 Aircross ist seit letztem Monat mein #hundesuv �

  • #2

    Mira Knut (Sonntag, 08 April 2018 17:46)

    Da ist man selbst Vegetarier wegen der Umwelt und denkt nicht an seinen Hund. Vielleicht muss man sich doch nochmal Gedanken über den Hundevegetarismus machen (ich weiß nicht ob das ein Wort ist).

  • #3

    Karin Jetter (Montag, 07 Mai 2018 18:22)

    Mira Knut, bei aller Liebe...aber ich glaube, das ist es nicht, was die Blogschreiberin damit sagen wollte... Hunde brauchen schon Fleisch in ihrer Ernährung...sonst wären sie als Kühe oder so was auf die Welt gekommen.. ;-)
    ABER: es MUSS KEIN PRÄMIUMFLEISCH sein ;-). Das ist völlig verrückt und - wie ich finde - auch sehr dekadent in Zeiten, wo auch hier in Deutschland viele Menschen sich schon die ganz normale Wurst oder Käse auf dem Brot kaum noch leisten können...

    Dieser Trend, der immer mehr vorherrscht, ist halt eine feine Sache zum Geldverdienen für die Hersteller. Nicht mehr und nicht weniger...

    Unsere Hunde bekommen hier von BARF bis TroFu alles zu fressen...Inklusive Reste vom Tisch und - ja, sie tun es ;-) - Gras aus dem Garten. Das "pflücken" sie aber selbst :-).
    Alle drei, sie sind jetzt 5, 8 und 9 Jahre alt, machen einen gesunden und fitten Eindruck und ich hoffe, der täuscht nicht. Sie sehen den Tierarzt bisher nur zur Blutuntersuchung und das auch nur unregelmässig. Geimpft werden sie nicht mehr...
    Sie bekommen ihre Bewegung und halten sich viel draußen in Hof und Garten auf und machen ihr Ding...
    Ach ja...alle drei kommen aus dem Tierschutz in Spanien bzw. Ungarn und haben dort ganz sicher auch kein Prämiumfleisch bekommen...


    Mir scheint, alles ist gut...